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Neuer Standortförderer

Interview mit Sebastian Friess, Leiter Standortförderung Kanton Bern

Worin der neue Leiter der Standortförderung die Chancen für den Wirtschaftsstandort Kanton Bern sieht und wie er seine neue Tätigkeit einschätzt, das erfahren Sie direkt im Interview mit Dr. Sebastian Friess.

Sebastian Friess

Sebastian Friess, ab Juni sind Sie neuer Leiter der Standortförderung Kanton Bern. Was reizt Sie an dieser Tätigkeit?

Gemäss Stellenprofil soll ich die «Stimme der Berner Wirtschaft» werden. Wen würde ein solcher Anspruch nicht motivieren?! Mich reizt die hohe Zahl erfolgreicher Unternehmen im Kanton, die als «Hidden Champions» in ihren Nischen und Märkten agieren. Mich reizt es, gemeinsam mit meinem Team und den Partnerorganisationen einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der hiesigen KMU zu leisten – die Herausforderungen, allem voran durch die Digitalisierung, sind nicht nur gewaltig, sondern werden in den nächsten Jahren über Sein oder Nichtsein entscheiden. Weiter will ich neue Firmen von unseren Kompetenzen und den Vorzügen unserer gesellschaftlichen, kulturellen und sprachlichen Vielfalt überzeugen, damit sie hier investieren. Mich fasziniert aber auch der Sprung von der nationalen Ebene, die oftmals sehr abstrakt ist, auf die kantonale, die sehr konkret und unmittelbar ist und wahrscheinlich auch politisch etwas anders funktioniert. Und natürlich freue ich mich, eine atemberaubende Seen- und Alpenlandschaft vor der Haustüre zu wissen. Glücklicherweise arbeiten auch die Tourismusspezialistinnen und -spezialisten in der Standortförderung.

Sie haben beim Bund in leitenden Funktionen in der Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik gearbeitet. Wie fit ist der Kanton Bern in diesen Themen?

Sehr fit. So gehört beispielsweise der Switzerland Innovation Park in Biel/Bienne zu den dynamischsten und am weitest fortgeschrittenen Standorten des nationalen Innovationsnetzes. Die in unmittelbarer Nähe soeben eröffnete Swiss Smart Factory wird hiesigen Firmen als schweizweit einzigartiges Kompetenzzentrum für additive Fertigungstechniken und vernetzte Produktionsprozesse zur Verfügung stehen. Zudem hat sich der Insel-Campus so aufgestellt, dass Bern auch in den nächsten Jahrzehnten eine zentrale medizinaltechnische Rolle in der Schweiz spielt. Und mit unseren Hochschulen und Forschungszentren braucht sich der Kanton überhaupt nicht zu verstecken. Eher sollen und wollen wir eine echte Brücke bauen zwischen den international bekannteren Polen im Westen und Osten unseres Landes. Ich wage zu behaupten, dass wir wesentlich fitter sind, als es von aussen vielleicht den Anschein macht. Das ist Ansporn und Verpflichtung zugleich.

Worin sehen Sie die Chancen der nächsten Jahre für unseren Wirtschaftsstandort?

Heute liegen die Chancen meines Erachtens in der Nutzung der vorhandenen hochspezialisierten Kompetenzen unserer Präzisionsindustrie, bei der berufspraktischen und akademischen Ausbildung unseres Nachwuchses sowie in der Lebensqualität unserer Regionen. Etwas langfristiger sehe ich grosses Potenzial bei künftigen Mobilitätskonzepten, da wir ja Standort der wichtigsten bundesnahen Betriebe für Mobilität sind. Auch kann ich mir gut vorstellen, dass in der technologischen und logistischen Erneuerung unserer Agrarwirtschaft eine grosse Chance steckt. Ausserdem glaube ich fest daran, dass Bern seine Chance als Politik- und Verwaltungszentrum der Schweiz viel stärker nutzen kann und darf. Als Netzwerker im positivsten Sinne des Wortes weiss ich, wie sehr informelle Kontakte und rasche unbürokratische Entscheidungswege von der Wirtschaft geschätzt werden. Da haben wir ein einzigartiges Potenzial. Vielleicht liegt eine zusätzliche Chance auch darin, sich so kompromisslos auf vorhandene Stärken zu konzentrieren, dass man gewisse Dinge nicht oder nicht mehr tut – das werden wir in den nächsten Jahren sehen.

Sie haben mehrere Jahre in der Privatwirtschaft und in der Verwaltung gearbeitet. Ausserdem scheinen Sie eine grosse Affinität zur Luftfahrt zu haben. Wie geht das zusammen?

Durch Zufall. Ich träumte schon als kleiner Junge vom Fliegen und blicke einem startenden Flugzeug, einem Helikopter und einer Drohne auch heute noch begeistert hinterher. Während meiner naturwissenschaftlichen Ausbildung war der Flughafen Zürich nicht nur wichtige Quelle zur Finanzierung meines Studiums, sondern vor allem auch ein willkommenes zweites Spielfeld ausserhalb der akademischen Wolken. Dort habe ich den oftmals hektischen Kundenkontakt an der Front und die eine oder andere Krise miterlebt und überstanden. Der Konnex in die Verwaltungstätigkeit und die Mitarbeit an politisch gesteuerten Projekten ergaben sich wohl erstmals bei den Einsätzen am World Economic Forum, auch wenn der spätere Weg in die Bundesverwaltung nicht geplant war. Ich arbeite gerne für die Politik, hege aber keine politischen Ambitionen. In Bern hat sich der aviatische Kreis dann vor wenigen Jahren wieder geschlossen: Seit einigen Jahren besitze ich die Pilotenlizenz für Helikopter. Jetzt erkunde ich den Kanton Bern und die Schweiz auch noch aus der Luft. Natürlich von Belp aus.

Sie sind bereits im Mai zum beco Berner Wirtschaft gestossen. Wie war der Einstieg?

Recht intensiv. In meiner früheren Tätigkeit habe ich mich und mein Team routiniert durch die Bundesverwaltung manövriert, was mir nach einigen Jahren Erfahrung zugegebenermassen leicht von der Hand ging. Jetzt bin ich quasi wieder Anfänger und komme pro Woche mit mehreren Dutzend neuen Mitarbeitenden in der Volkswirtschaftsdirektion und bei den öffentlichen und privaten Partnern in Kontakt. Glücklicherweise haben diese mich ebenso wie mein Vorgesetzter und auch mein politischer Chef sehr gut aufgenommen. Und mein Vorgänger Denis Grisel führt mich seit dem ersten Tag bei den Unternehmerinnen und Unternehmern im Kanton Bern ein – das sind sehr spannende Begegnungen und man spürt das Vertrauen, das der Standortförderung entgegengebracht wird. Meine «Ausbildung» wird wohl noch eine Weile dauern, weshalb ich froh bin, dass das Verständnis meiner Kolleginnen und Kollegen gross ist.


Weitere Informationen

Switzerland Innovation Park Biel/Bienne – Manufacturing the future

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